Wildfrüchte im September - was du jetzt sammeln kannst

Der September ist für mich eine ganz besondere Zeit draußen in der Natur.

Die Tage werden wieder kürzer, die Blütenfülle wird weniger. Morgens zeigt sich der Nebel auf den Wiesen und die Natur verändert sich.

Aber ruhig wird es draußen deshalb noch lange nicht.

Im Gegenteil: Jetzt beginnt die Zeit der Früchte und Samen. Und wenn man einmal weiß, wonach man Ausschau halten kann, entdeckt man plötzlich überall rote Hagebutten, dunkle Holunderbeeren oder die kleinen Früchte des Weißdorns.

Für mich ist das jedes Jahr wieder eine schöne Zeit. Vielleicht auch deshalb, weil man jetzt nicht nur für den Moment sammelt. Vieles von dem, was wir im September finden, lässt sich wunderbar verarbeiten und für die kommenden Monate haltbar machen.

Zudem zeigen sich auch viele Wildkräuter wieder, die sich im Sommer zurückgezogen haben, wie z. B. Giersch oder Vogelmiere. Man sagt auch jetzt ist nochmal der 2. Frühling und ein perfekter Moment sich für den Winter vorzubereiten.

Hagebutte – leuchtend rot und kaum zu übersehen

An der Hagebutte kommt man im Herbst eigentlich kaum vorbei. Die roten Früchte verschiedener Wildrosen leuchten uns jetzt an vielen Hecken und Wegrändern entgegen.

Besonders bekannt ist die Hundsrose (Rosa canina).

Hagebutten enthalten unter anderem sehr viel Vitamin C, außerdem Carotinoide, Pektine und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Wie viel Vitamin C am Ende tatsächlich enthalten ist, hängt allerdings unter anderem vom Reifegrad, der Lagerung und der Verarbeitung ab.

Und genau deshalb mag ich die Hagebutte so gerne: Man kann mit ihr unglaublich viel machen.

Aus den Früchten lässt sich zum Beispiel Mus oder Fruchtaufstrich herstellen. Sie können getrocknet für Tee verwendet oder zu Hagebuttenpulver verarbeitet werden.

Wer Hagebutten schon einmal aufgeschnitten hat, kennt allerdings auch ihr Innenleben: Dort sitzen die vielen kleinen Kerne mit feinen Härchen – das berühmte „Juckpulver“ aus Kindertagen. Bei manchen Verarbeitungsarten werden die Früchte deshalb entkernt. Für ein Mus kann man sie aber auch weich kochen und anschließend sehr gründlich durch ein feines Sieb oder eine Flotte Lotte passieren.

Ich kombiniere Hagebutte übrigens sehr gerne mit Apfel. Der Apfel nimmt ihr ein wenig von der herben Note und zusammen entsteht ein wunderbar fruchtiges Mus.

Mein Tipp: Hagebutten müssen nicht zwingend den ersten Frost abbekommen haben. Sobald sie reif sind, können sie geerntet werden. Später werden sie weicher und süßer, gleichzeitig nimmt mit zunehmender Reife und Lagerung aber auch der Vitamin-C-Gehalt ab.

Holunderbeeren – jetzt wird aus den Blüten eine Frucht

Im Frühsommer freue ich mich über die weißen Holunderblüten – und einige Wochen später steht man vor demselben Strauch und findet dort plötzlich diese fast schwarzen, glänzenden Beeren.

Ich liebe Pflanzen, die uns im Laufe des Jahres so unterschiedlich begleiten.

Beim Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) hängen die reifen Früchte in schweren Dolden nach unten. Sind die Beeren vollständig ausgereift, lassen sie sich wunderbar zu Saft, Gelee, Sirup oder Fruchtaufstrichen verarbeiten.

Hier gibt es allerdings einen wichtigen Unterschied zur Hagebutte:

Holunderbeeren gehören nicht roh auf den Teller.

Rohe beziehungsweise unzureichend erhitzte Holunderbeeren können Stoffe enthalten, die zu Übelkeit und anderen Magen-Darm-Beschwerden führen können. Deshalb werden die Beeren vor dem Verzehr ausreichend erhitzt.

Für mich gehört Holundersaft einfach zum Herbst dazu. Und auch wenn beim Erhitzen nicht jeder empfindliche Inhaltsstoff vollständig erhalten bleibt, finde ich den Gedanken schön, etwas von dem, was gerade in so großer Fülle vorhanden ist, für später ins Glas zu bringen.

Weißdorn – eine Frucht, an der viele vorbeigehen

Der Weißdorn ist wahrscheinlich die unscheinbarste Wildfrucht in dieser Runde.

Im Frühjahr fällt er mit seinen vielen weißen Blüten deutlich mehr auf. Im Spätsommer und Herbst trägt er kleine rote Früchte, die auf den ersten Blick fast ein wenig an Miniaturäpfel erinnern.

Und tatsächlich gehört der Weißdorn wie Apfel und Hagebutte zu den Rosengewächsen.

Die Früchte sind essbar, allerdings eher mehlig und je nach Reife etwas herb. Pur vom Strauch sind sie deshalb für mich kein besonderes Geschmackserlebnis.

Verarbeitet sieht das schon ganz anders aus.

Ich kombiniere die Weißdornfrüchte gerne mit Apfel und koche daraus ein Mus. Das passt geschmacklich richtig schön zusammen und ist für mich genau das, was Wildkräuterküche ausmacht: Eine Pflanze muss nicht immer spektakulär schmecken, wenn man sie direkt vom Strauch pflückt. Manchmal braucht es einfach die passende Verarbeitung.

Der Weißdorn ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, bei Pflanzen genau hinzuschauen. In der Pflanzenheilkunde sind vor allem Weißdornblätter und -blüten bekannt. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich alle Aussagen über deren traditionelle Verwendung eins zu eins auf die Früchte übertragen lassen.

In meiner Küche darf die Frucht deshalb einfach das sein, was sie ist: ein heimisches Wildobst, aus dem sich etwas Leckeres machen lässt.

Und dann wären da noch die Brennnesselsamen …

Eigentlich gehören sie in einen Beitrag über „Wildfrüchte“ gar nicht hinein.

Aber ich kann im September einfach nicht über das Sammeln schreiben, ohne sie zumindest zu erwähnen.

Wer die Brennnessel bisher hauptsächlich aus dem Frühjahr kennt, sollte jetzt noch einmal genauer hinschauen. An den weiblichen Pflanzen hängen die Samenstände oft in dichten Büscheln nach unten.

Die kleinen Samen lassen sich sammeln, trocknen und anschließend ganz unkompliziert in der Küche verwenden. Ich streue sie zum Beispiel gerne über Joghurt oder Müsli oder gebe sie über einen Salat.

Und irgendwie mag ich gerade das an der Brennnessel besonders: Im Frühjahr liefert sie uns ihre jungen Blätter und später im Jahr noch einmal ihre Samen. Eine Pflanze, die viele Menschen am liebsten aus ihrem Garten verbannen würden – und die uns über Monate begleitet.

Sammeln ja – aber bitte mit Bedacht

Bei aller Begeisterung fürs Sammeln gibt es ein paar Dinge, die mir wichtig sind.

Ich sammle nur Pflanzen und Früchte, die ich wirklich sicher bestimmen kann. Außerdem nehme ich nie einen ganzen Bestand mit. Ein Teil bleibt immer für die Pflanze selbst und natürlich für die Tiere, für die viele Wildfrüchte eine wichtige Nahrungsquelle sind.

Gesammelt wird außerdem nicht direkt an stark befahrenen Straßen, auf offensichtlich belasteten Flächen oder dort, wo ich nicht sammeln darf.

Und manchmal darf eine besonders schöne Hagebutte auch einfach am Strauch bleiben.

Man muss nicht alles mit nach Hause nehmen, nur weil man es verwenden könnte.

Der Herbst beginnt nicht erst, wenn die Blätter fallen

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich den September so gerne mag.

Es ist noch ein bisschen Sommer da, aber gleichzeitig verändert sich draußen schon so viel. Die Natur stellt langsam um. Aus Blüten sind Früchte geworden, Samen werden reif und vieles, was im Frühjahr ganz selbstverständlich grün war, beginnt sich zurückzuziehen.

Wer jetzt mit offenen Augen draußen unterwegs ist, findet noch einmal eine ganz andere Fülle.

Hagebutte, Holunder und Weißdorn sind dabei nur drei Beispiele. Und man braucht daraus auch keine zehn verschiedenen Dinge herzustellen.

Manchmal reicht eine kleine Portion Hagebutten für ein Mus, ein paar Brennnesselsamen fürs nächste Frühstück oder eine Flasche selbst gemachter Holundersaft.

Für mich geht es beim Sammeln sowieso nicht darum, möglichst viel mit nach Hause zu bringen.

Es geht darum, wieder wahrzunehmen, was gerade da ist.

Und genau das verändert sich mit jeder Jahreszeit.

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